Latenz und ihre Auswirkungen auf Google Ads-Klicks und Analytics-Sitzungen

Wenn Sie die oben aufgeführten Artikel gelesen haben, sich manche Abweichungen zwischen Klicks und Sitzungen jedoch noch immer nicht erklären können, ist möglicherweise Latenz die Ursache. Typischerweise lassen sich Abweichungen zwischen Klicks und Sitzungen, die auf Latenz zurückzuführen sind, folgendermaßen erkennen:

  • Die Abweichungen zwischen Klicks und Sitzungen lassen sich nicht auf eine bestimmte Kampagne, Anzeigengruppe oder ein bestimmtes Keyword eingrenzen.
  • Bei allen aktiven Google Ads-Kampagnen werden durchgehend weniger Sitzungen als Klicks erfasst.
  • Laut der Segmentierung nach Gerät, zum Beispiel nach Desktop-Computern, Tablets und Smartphones, treten die Abweichungen auf verschiedenen Plattformen auf.
Themen in diesem Artikel:

Geschwindigkeit als entscheidender Faktor

Internetnutzer sind generell nicht besonders geduldig. Dies belegen Studien wie die Kissmetrics-Studie, die unter anderem zu folgenden ernüchternden Erkenntnissen kam: "Eine Verzögerung der Seitenreaktionszeit um eine Sekunde kann zu einem Rückgang der Conversions um 7 % führen." oder "47 % der Nutzer erwarten, dass eine Webseite nicht mehr als zwei Sekunden zum Laden braucht."

Was bedeutet das für Sie? Wenn es zu lange dauert, bis Ihre Website geladen ist, besteht die Gefahr, dass die Nutzer lieber das Webangebot Ihrer Mitbewerber aufrufen – insbesondere dann, wenn diese in der Lage sind, vergleichbaren Content schneller bereitzustellen.

Die richtige Position

Oft wird uns die Frage gestellt, wo der Analytics-Tracking-Code im HTML-Quellcode der Seite eingefügt werden sollte. Das hängt davon ab, wie genau Sie Messwerte zu abgesprungenen Nutzern erfassen möchten. Wenn nach einem Klick ein paar Sekunden vergehen, bis eine Sitzung erfasst wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass einige Sitzungen nicht registriert werden. Generell empfehlen wir, den Tracking-Code direkt oberhalb des schließenden Tags </head> einzufügen.

Die Folgen langsamer Reaktionen

Kurze Klicks: Als kurze Klicks bezeichnet man die Klicks eines Nutzers auf eine Anzeige, wobei er die Zurück-Schaltfläche anklickt oder den Browser schließt, bevor die Anfrage für den Analytics-Tracking-Code erfolgt. In Google Ads wird dann zwar ein Klick erfasst, in Analytics jedoch keine Sitzung registriert.

Generell gilt: Je langsamer die Website reagiert und je größer die Anzahl der Anfragen ist, die vor dem Aufruf des Analytics-Snippets erfolgen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es zu kurzen Klicks kommt und Sitzungsdaten fehlen.

Kurze Klicks lassen sich als Klicks von Nutzern interpretieren, die von der Website abspringen. Wenn Sie diese Sitzungen mit Absprüngen nicht erfassen, ist die berechnete Absprungrate möglicherweise niedriger als der tatsächliche Wert.

Kurze Klicks auf Mobilgeräten: Im Allgemeinen ist die Netzwerkinfrastruktur bei Mobilgeräten (3G-Netze) langsamer als bei den meisten Desktopverbindungen (ADSL/Kabel). Wenn Sie Ihre Anzeigen auf Mobilgeräte ausrichten, ist eine Website mit kurzen Reaktionszeiten sogar noch wichtiger, um kurze Klicks zu verhindern.

Kurzfristige Lösung, um kurze Klicks zu verhindern

Als kurzfristige Lösung bietet es sich an, das Analytics-Tracking-Snippet im HTML-Quellcode möglichst weit oben einzufügen, idealerweise oberhalb aller anderen JavaScript-Dateien.

Im Screenshot oben sehen Sie, dass zunächst mehrere Anfragen für JavaScript-Dateien abgearbeitet werden müssen (synchrone Tags), bevor das Analytics-Tracking-Snippet ausgeführt wird. Einige Optimierungsmethoden werden später noch vorgestellt. Vorerst wird als kurzfristige Lösung empfohlen, das Analytics-Tracking-Snippet oberhalb der anderen JavaScript-Dateien einzufügen. Durch das Analytics-Snippet wird die Ladezeit von Webseiten nicht beeinträchtigt, da ein asynchrones JavaScript-Tag darin enthalten ist. Damit werden Seiten auf jeden Fall dargestellt, selbst bei einer Verzögerung beim Analytics-Server.

Diese Lösung ist nur provisorisch. Sie können dadurch zwar mehr Sitzungen erfassen, die, weil das Analytics-Snippet nicht früher ausgeführt wird, andernfalls nicht berücksichtigt werden würden, wenn Nutzer Ihre Seite sofort wieder verlassen. Auf lange Sicht ist es jedoch sinnvoller, die Nutzer an sich zu binden, die bisher abgesprungen sind, und das eigentliche Problem, also die langsam reagierende Website, zu beheben.

Anzeichen für langsame Reaktionszeiten

Wie bereits erwähnt, ist es bis zu einem gewissen Grad sinnvoll, den Analytics-Tracking-Code weiter oben im HTML-Quellcode einzufügen. Doch schnelle Reaktionszeiten einer Website sind ebenfalls wichtig.

Wie stellen Sie fest, ob Ihre Website zu langsam ist?

Test 1

Leeren Sie den Cache und löschen Sie optional auch alle Cookies. Öffnen Sie dann einen neuen Tab, geben Sie die Ziel-URL in die Adressleiste des Browsers ein und öffnen Sie den Tab Netzwerk der Chrome-Entwicklertools.

Laden Sie die Website und sehen Sie sich die Liste der Anfragen an. Sie sollte ungefähr so aussehen:

Suchen Sie nach "_utm.gif" (klassisches Analytics) oder "collect" (Universal Analytics) und sehen Sie sich gleichzeitig rechts den Bereich zum zeitlichen Ablauf an. In der Abbildung oben sehen Sie, dass es nach der ersten Anfrage, als der Klick erfasst wurde, etwa acht Sekunden bis zur Analytics-Anfrage und damit bis zur Registrierung einer Sitzung gedauert hat.

Wenn ein Nutzer innerhalb dieser acht Sekunden auf die Zurück-Schaltfläche klickt, wird in Analytics möglicherweise keine Sitzung für diese Website, in Google Ads jedoch ein Klick erfasst.

Denken Sie an das Kissmetrics-Zitat: "Die Hälfte aller Nutzer erwartet, dass eine Seite nicht mehr als zwei Sekunden zum Laden braucht." Bei dieser Website besteht also Verbesserungsbedarf.

Test 2

In Analytics werden Daten zur Ladezeit von Seiten automatisch in den Berichten zur Websitegeschwindigkeit erfasst.

In diesem Bericht sehen Sie, wie bestimmte Google Ads-Ziel-URLs im Hinblick auf die Latenzzeit abschneiden. In diesem Beispiel beträgt die Websitegeschwindigkeit bei dieser URL 25 Sekunden – das ist sehr langsam.

Auch die Absprungrate dieser Webseite ist sehr hoch. Für diese Ziel-URL liegen bereits Absprünge in Form kurzer Klicks vor, doch auch die aufgezeichneten Klicks weisen eine hohe Absprungrate auf – kein gutes Zeichen.

Idealerweise dauert es etwa drei bis vier Sekunden, bis eine Website geladen ist.

Obwohl diese Berichte zur Websitegeschwindigkeit gute Anhaltspunkte für die Seitenladezeiten liefern, basieren sie auf nur 1 % der Zugriffe. Wenn pro Tag nur relativ wenige Nutzer Ihre Website aufrufen, zum Beispiel 100.000 oder weniger, können Sie einen größeren Wert festlegen, etwa 5 %. Dadurch erhöht sich der Detaillierungsgrad der Seitenladezeit und anderer Messwerte für die Websitegeschwindigkeit.

Hierfür ist jedoch eine weitere Anfrage erforderlich. In fast allen Fällen sollte dies sich nicht negativ auf die Nutzererfahrung auswirken.

Websitegeschwindigkeit steigern

In den Analytics-Berichten zur Websitegeschwindigkeit finden Sie nun Vorschläge für die Websitegeschwindigkeit. Geben Sie die am häufigsten angeklickten Ziel-URLs ein, um Vorschläge zu sehen, wie Sie die Geschwindigkeit dieser Seiten steigern können.

Weiterleitungen entfernen oder Ziel-URLs aktualisieren

Selbst wenn bei Ihren Weiterleitungen der Google Ads-Parameter für die automatische Tag-Kennzeichnung erhalten bleibt und an die endgültige Ziel-URL weitergegeben wird, verursachen Weiterleitungen zusätzliche Latenz zwischen dem Klick und dem Zeitpunkt, an dem in Analytics eine Sitzung erfasst wird.

In einigen Fällen sind mehrere Weiterleitungen zwischen dem in Google Ads erfassten Klick und der endgültigen Ziel-URL eingerichtet.

Aktualisieren Sie die Ziel-URL für Google Ads auf die endgültige Ziel-URL, sodass keine Weiterleitungen erfolgen.

Um den Klick in Google Ads zu erfassen, nutzen manche Kunden zwischengeschaltete Dienste wie Klickserver, die häufig von Berichtsplattformen von Drittanbietern genutzt werden.

Auch wenn es verständlich ist, dass Sie verschiedene Plattformen für die Berichterstellung nutzen, könnte sich dieser Dienst als Engpass erweisen und die Geschwindigkeit und dadurch die Nutzererfahrung beeinträchtigen. Wenn Sie Schwierigkeiten in Bezug auf Klicks und Sitzungen haben, die in Analytics erfasst werden, empfehlen wir, den Dienst zum Erfassen von Klicks vorübergehend nicht mehr zu nutzen. Prüfen Sie nach einer gewissen Zeit, ob sich das Verhältnis zwischen Klicks und Sitzungen verbessert hat, und entscheiden Sie dann, ob Sie die Drittanbieterplattform weiterhin nutzen möchten. Alternativ können Sie sich nach einem anderen Anbieter umsehen.

CSS-Sprites

CSS-Sprites können mehrere Bildanfragen ersetzen.

Für die oben dargestellte Website erfolgten mehrere Bildanfragen für kleine Symbole und Bilddateien (PNG-Dateien). CSS-Sprites bieten einen einfachen Vorteil: Anstelle mehrerer Bildanfragen werden alle Bilder in einer einzigen Anfrage für ein größeres Bild zusammengefasst. Mithilfe von CSS werden dann die einzelnen Teile des Bildes an verschiedenen Stellen der Website eingefügt. Eine Anfrage für ein großes Bild ist schneller als mehrere Anfragen für kleine Bilder.

CDN verwenden

Mit einem Content Delivery Network (CDN) lassen sich Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit von Websites steigern. Dabei werden Dateien, auf die häufig zugegriffen wird, sowie Content Ihrer Website verteilt und auf verschiedenen Servern weltweit abgelegt.

Normalerweise befindet sich ein Webhostingdienst an einem festen Standort, zum Beispiel in Niedersachsen. Für Nutzer in Niedersachsen ist das von Vorteil, weil der Content Ihrer Website schnell für sie bereitgestellt wird. Doch wie sieht es bei Nutzern in den USA oder Australien aus? Bei ihnen ist die Latenz höher, wenn sie auf Dateien aus Niedersachsen warten. Doch mit einem CDN werden die Dateien diesen Nutzern schneller über Server bereitgestellt, die sich näher an deren Standorten befinden.

Wenn der Content Ihrer Website auf verschiedene Server auf der ganzen Welt verteilt ist, wirken sich außerdem Stromausfälle und andere Infrastrukturprobleme weniger stark auf Sie aus.

CDNs eignen sich sehr gut für generell statischen Content oder solchen, der sich nicht häufig ändert, wie JavaScript-Dateien, CSS, HTML, Bilder und Videos. Außerdem werden die Dateien auf die kleinstmögliche Größe komprimiert, indem der Zeilenabstand in JavaScript, CSS und HTML-Dateien entfernt wird.

Mit PageSpeed steht ein eigener CDN-Dienst von Google zur Verfügung.

HTML-, CSS- und JS-Dateien komprimieren

Wenn Sie keinen CDN-Dienst, wie oben beschrieben, verwenden möchten, stehen noch andere Module, Plug-ins und kostenlose Webdienste zur Verfügung, mit denen Content automatisch komprimiert wird, indem Zeilenabstände entfernt werden und mehrere Dateien, zum Beispiel CSS-Dateien, in einer einzigen Anfrage gebündelt werden.

Beliebte Anfragen cachen

In einem beliebten Webserverstack wird Linux Apache MySQL PHP (LAMP) verwendet.

In der Abbildung oben sehen Sie, dass mehrere Schritte durchlaufen werden, bis dem Nutzer eine HTML-Seite dargestellt wird.

  • Beim Webserver geht die Anfrage ein.
  • Der Webserver sendet dann die Anfrage über den PHP-Interpreter, wo entschieden wird, auf welche Zeilen in der Datei oder in der Datenbank zugegriffen wird.
  • Dann werden durch den PHP-Interpreter Pakete gebildet und die entsprechende HTML-Seite zusammengestellt, die der Nutzer schließlich sieht.

Warum Caching sinnvoll ist

In vielen Fällen ändert sich der Content Ihrer Seiten nicht jedes Mal, wenn der Nutzer eine Anfrage sendet, um die Seite aufzurufen, beispielsweise bei FAQ-Seiten. Der gesamte oben dargestellte Prozess muss dann nicht immer wieder von Neuem durchlaufen werden. Stattdessen ist es möglich, dass eine Seite einmal geladen und dann als temporäre HTML-Datei im Cache abgelegt wird. Dadurch ist es nicht erforderlich, dass die Schritte zur Darstellung einer Seite mittels PHP im Webserver wiederholt und immer wieder Abfragen an Datenbanken gesendet werden. Denn den meisten Nutzern wird eine statische HTML-Datei bereitgestellt. So wird der Webserver vom ständigen Multitasking entlastet und Ihre Website schneller geladen.

Mithilfe verschiedener kostenloser Module können Sie dies auch für Ihre Website nutzen.

Obwohl im Beispiel oben der PHP-Interpreter genannt wurde, funktionieren andere Webserver nach einem ähnlichen Prinzip. Für sie stehen wahrscheinlich ähnliche Module zur Verfügung, mit denen Seiten auf diese Weise gecacht werden können.

ajax oder Plug-ins wie Infinite Scroll oder Lazy Load für jQuery verwenden

Möglicherweise haben Sie schon einmal bemerkt, dass auf manchen Websites Content geladen wird, wenn Sie auf den Seiten nach unten scrollen. So zum Beispiel auf YouTube bei den Miniaturansichten der empfohlenen Videos und bei den Kommentaren. Hier werden nur die ersten paar Ergebnisse angezeigt, es sei denn, Sie rufen weitere Kommentare auf.

Werden solche Methoden angemessen eingesetzt, lässt sich dadurch die erste Anfrage für eine Seite reduzieren, sodass Nutzer umgehend mit Ihren Seiten interagieren können. Wenn sie weiteren Content sehen möchten, haben sie die Option, nach unten zu scrollen, sodass weitere Elemente geladen werden.

Wenn Sie sich für diese Lösung entscheiden, müssen Sie verschiedene Punkte im Hinblick auf die Nutzererfahrung und Zugänglichkeit beachten. In der Dokumentation zu Lazy Load und Infinite Scroll finden Sie weitere Informationen.

gzip-Komprimierung

Ältere Webbrowser unterstützten diese Form der Seitenkomprimierung nicht (HTML, CSS, JavaScript usw.), neuere, einschließlich mobiler Browser jedoch schon. Der große Vorteil dieser Funktion ist, dass sie häufig sehr einfach zu nutzen ist.

Video mit weiteren Informationen über gzip

Auf Universal Analytics umstellen

Eine weitere Option ist die Umstellung vom klassischen Analytics (ga.js) auf Universal Analytics (analytics.js), sofern nicht bereit geschehen. Sie profitieren dann nicht nur von den neuesten Funktionen des Produkts, sondern auch von einigen Leistungsverbesserungen.

  • Modul-basierte Tracking-Code-Bibliothek: analytics.js verfügt über externe Module wie E-Commerce, die nicht mehr für alle Websites angegeben werden, was der Funktionsweise von ga.js entspricht. Dies reduziert die Auswirkungen von analytics.js im Hinblick auf die Dateigröße und ermöglicht eine schnellere Dateiübertragung.
  • Geringere Abhängigkeit von Cookies: In Universal Analytics werden Kampagnen- und Sitzungsdaten nun serverseitig und nicht mehr clientseitig berechnet. Dadurch werden bei jeder Dateianfrage weniger Cookiedaten übertragen, was eine kleine, aber erkennbare Leistungssteigerung bewirkt.

Schnellerer Webhostingserver

Eine langsame Website kann sich negativ auf Ihr Geschäft auswirken. Daher sollten Sie über ein Upgrade auf einen schnelleren Webhostingserver nachdenken.

Weitere Tipps und Anregungen

In diesem Artikel können wir zwar nicht alle verfügbaren Optimierungsmethoden vorstellen, Sie jedoch zumindest kurz darauf hinweisen. Hier finden Sie weitere Tipps und Anregungen.

Selbst wenn es Ihnen gelingt, Geschwindigkeit und Reaktionszeiten Ihrer Website zu verbessern, können dennoch Probleme aufgrund von langsamen Internetverbindungen und Übertragungsgeschwindigkeiten in Netzwerken auftreten. Diese Schwierigkeiten kommen eher in abgelegenen und ländlichen Regionen sowie in Entwicklungsländern vor, in denen Infrastruktur für Telekommunikation nur begrenzt vorhanden oder veraltet ist.

In solchen Fällen sollten Sie die Reaktionszeiten Ihrer Website so weit es geht verkürzen. Doch selbst auf einer optimierten Website kann es noch zu kurzen Klicks aufgrund von langsamen Verbindungen kommen.

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